Potentiale der Polyphonie im frühen Minnesang. Eine Neuperspektivierung

 

Gefördert durch die DFG.

 

Projektleiterin: Prof. Dr. Annette Gerok-Reiter

 

Projektmitarbeiterinnen: Anna Lahr, Simone Leidinger (ab 2013)

Hilfskraft: Alexandra Becker (alexandra.becker(at)student.uni-tuebingen.de)

 

Das Projekt stellt sich die Aufgabe, mit dem frühesten und frühen Minnesang die Anfänge deutschsprachigen lyrischen Sprechens in ihrer kulturellen Dynamik neu zu perspektivieren. Grundlegend für die Neuperspektivierung ist der Ansatz, das Paradigma der Vielfalt, der Polyphonie und Diversität stärker als zuvor als Interpretament für den Beginn deutschsprachigen Minnesangs geltend zu machen. Conditio sine qua non ist hierfür zum einen, den frühen Minnesang entschieden aus der Fluchtlinie der Hohen Minne und der sie vertretenden Minnekanzone herauszunehmen, zum anderen, die bisher vorherrschenden Analysekategorien der ,Form’ und der ,Liebeskonzeption’ zu ergänzen bzw. abzulösen durch ein erweitertes Kategorienspektrum. Ziel des vorliegenden Projekts ist es somit, (1) ein Kategoriennetz zu entwerfen, das genauer und verbindlicher als zuvor die spezifischen Eigenheiten der Anfänge des Minnesangs jenseits einer Entwicklungslogik auf die Hohe Minne hin beschreibbar macht, (2) den frühesten und frühen Minnesang als dynamisches und spannungsreiches Experimentierfeld der Auseinandersetzung extrem divergenter – paralleler, interferierender oder konfligierender – Kulturmuster in den Blick zu rücken, (3) einen Beitrag zu leisten zur kulturhistorisch übergreifenden Frage, inwiefern ,Pluralität’ nicht nur als Faktor kultureller Ausdifferenzierung etablierter Traditionen, sondern ebenso als maßgeblich stimulierendes Potential junger Kulturen am Beginn von Traditionsbildungen in Anschlag zu bringen ist.

Link zur Dietmar-Edition

 

 

Publikationen:

 

1. Editionen

Simone Leidinger: Online-Edition des Autorkorpus Dietmar von Aist in der „Lyrik des deutschen Mittelalters“ (LDM), hg. von Manuel Braun, Sonja Glauch und Florian Kragl. Die Edition ist frei zugänglich unter http://www.ldm-digital.de/

 

2. Aufsätze:

Annette Gerok-Reiter: Dû bist mîn, ich bin dîn (MF 3,1) – ein Skandalon? Zur Provokationskraft der volkssprachigen Stimme im Kontext europäischer Liebesdiskurse, in: Udo Friedrich, Manfred Eikelmann (Hgg.), Praktiken europäischer Traditionsbildung im Mittelalter. Wissen – Literatur – Mythos, Berlin 2013, S. 75–115.

Annette Gerok-Reiter: Die ‚Kunst der vuoge‘: Stil als relationale Kategorie. Überlegungen zum Minnesang, in: Elizabeth Andersen, Ricarda Bauschke-Hartung, Nicola McLelland, Silvia Reuvekamp (Hgg.), Literarischer Stil. Mittelalterliche Dichtung zwischen Konvention und Innovation. Schriften des XXII. Anglo-German Colloquium Düsseldorf, Berlin u.a. 2015, S. 97-118.

Annette Gerok-Reiter: Vom Sinn und Unsinn, sich mit dem Frühen Minnesang zu beschäftigen, in: Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Jahrbuch 2015, hg. von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Heidelberg 2016, S. 65-67.

Annette Gerok-Reiter: Versehrtheit: Funktionen eines Motivs in der frühen Lyrik, in: Verletzungen und Unversehrtheit in der deutschen Literatur des Mittelalters. XXIV. Anglo-German Colloquium (Saarbrücken 2015), hgg. von Sarah Bowden, Nine Miedema und Stephen Mossman (Erich Schmidt Verlag, erscheint Herbst 2017).

Annette Gerok-Reiter: Ästhetik der Polyphonie. Der frühe deutschsprachige Minnesang als Austragungsort kultureller Diversität, in: Transkulturalität und Translation: Literaturwissenschaftliche Mediävistik heute, Festschrift für John Greenfield, hgg. von Ingrid Kasten und Laura Auteri (Verlag: de Gruyter, erscheint Herbst 2017).

 

Simone Leidinger: Klang, Raum und Zeit bei Dietmar von Aist, in: Raum und Zeit im Minnesang, hgg. von Annette Gerok-Reiter, Anna Sara Lahr und Simone Leidinger (Tagungsband; Beiträge in redaktioneller Bearbeitung, Erich Schmidt Verlag, erscheint Ende 2017).

 

Monographien, Sammelbände:

Anna Sara Lahr: Diversität als Potential. Versuch einer Neuperspektivierung des frühesten Minnesangs (Dissertation wird im Frühjahr 2017 abgeschlossen, erscheint Ende 2017).

Simone Leidinger: Dietmar von Aist. Studien zu einer literarhistorischen und forschungsgeschichtlichen Standortbestimmung (Dissertation abgegeben, erscheint Ende 2017).

Annette Gerok-Reiter, Anna Sara Lahr, Simone Leidinger (Hgg.): Raum und Zeit im Minnesang (Tagungsband; Beiträge in redaktioneller Bearbeitung, Erich Schmidt Verlag, erscheint Ende 2017).

 

Literaturliste: siehe PDF