„Mittelalter reloaded. Kulturmuster im Transfer zwischen Mittelalter und Moderne“

Projektleitung und Koordination: Prof. Dr. Annette Gerok-Reiter, Dr. Claudia Lauer 

Projektmitarbeiterin: Sandra Boss 

Das Projekt reagiert auf zwei opponierende Spezifika der Gegenwart: Es knüpft einerseits an die seit Jahren anhaltende gesellschaftliche Mittelalter-Faszination und den Wert mittelalterlicher Kulturmuster und Bilder für unsere heutige Kultur an. Andererseits greift es die Vernachlässigung mediävistischer Themen in der Schule auf, die im Kontrast zur Verankerung des Faches 'Mediävistik' in der universitären Ausbildung steht und die besondere Relevanz des Faches im modernen Unterricht und in den gesellschaftlichen und beruflichen Praxisfeldern des Kulturkontakts und des Kulturtransfers unterschätzt.

Im Zentrum des Projektes steht die interdisziplinäre und intermediale Auseinandersetzung mit Kulturmustern des Mittelalters und ihrer Rezeption bis in die Moderne. Leitend ist dabei die Frage nach der historischen Bedingtheit, denen Kulturmuster sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart unterliegen. Wie werden Kulturmuster unter veränderten gesellschaftlichen, kulturellen und medialen Bedingungen vom Mittelalter bis in die Gegenwart fortgeschrieben, transformiert oder neu konfiguriert? "Liebt das Mittelalter anders oder lieben wir heute noch mittelalterlich?"; "Wie unterscheiden sich mittelalterliche Familienmuster von modernen?"; "Was macht einen Helden aus?" oder "Was haben die Kreuzzüge im Mittelalter mit modernen Konzeptionen vom 'Heiligen Krieg' gemeinsam?" Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit Tübinger Schulen und Schulen in der Region ein kritisches Bewusstsein bei den Schülerinnen und Schülern für die historische Varianz von Kulturmustern und ihren Funktionalisierungen bis in die Gegenwart hinein zu wecken. Im Blick zurück und in der Begegnung mit dem 'Anderen' soll dabei deutlich werden: (1) auf welche Weise Kulturmuster historisch und medial bedingt sind, (2) inwiefern historische Kulturmuster im Sinne einer produktiven und lebendigen Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart bis heute präsent ist, und (3) inwiefern eine wissenschaftlich-historische Analyse zu einer präzisen Gegenwartsdiagnostik führen kann.