Kaiserchronik

'Kaiserchronik', cgm 37, fol. 109r

Wegen der Länge ist die Aufzeichnung in zwei Dateien unterteilt.

 

V. 14282ff.: Konklave und Wahl Leos zum Papst: Sound-File

 

Daz rîche stuont dô lære.
ûf sante Pêters altâre
sazten si die chrône.
die hêrren von Rôme
kômen alle zesamene,
si swuoren vor der menige,
daz si von ir chunne
niemer mêr chunich gewunnen,
noch rihtære noch hêrren.
si nemahten ir triwe noch ir êre
an in niht wol bewarn.
si wolten kunige haben
ûz anderen rîchen,
die von in mahten entwîchen.
Ain site was dannoch,
daz man die junchêrren zôch
mit michelen flîze
ûzer aller slahte rîche
in Rômiscem hove.
swennez dar zuo kom,
daz im Rômære swert gâben,
wie willich si im wâren!
frôlîche si si danne santen
wider zuo ir lanten.
von diu dienden in diu rîche
elliu vorhtlîche.
Duo kom iz alsus,
daz von Karlingen Pippînus,
ain chunich rîche,
hête zwêne sune hêrlîche.
der ain hiez Lêô:
ze Rôme zôch man in dô,
sant Pêters stuol er besaz;
Karl dannoch dâ haime was.

 

V. 14316ff.: Karls Traum und Romfahrt: Sound-File

 

Aines nahtes, dô Karl enslief,
ain stimme drîestunt zuo im rief:
‘wol ûf, Karl liehe!
ze Rôme var dû sciere!
dich vordert dîn pruoder Lêô.’
vil sciere berait er sich dô,
nehaines sînes willen
nebrâht er niemen innen,
unz er den chunic bat urloubes:
er sprach, er wolte gesehen den bâbes,
er wolt ouch gerne gebeten
ze Rôme in der houbetstete.
Alse der junchêrre urloubes pat,
der vater ez im vil gerne gap,
den sun frumt er dane,
so iz aim rîchen chunige wol gezam,
mit der aller maister gebe.
der kint huop sich ze wege.
Karl vuor dô mêre
durch die boten hêre,
denn er durch den bruoder tæte.
er was fruo unt spæte,
er minnete got stille;
des enliez er niemen werden innen.
vil dike er aine gestuont,
ze gote kêrt er allen sînen muot,
mit nazzen sînen ougen
flêget er got tougen,
daz in der tievel niene bekorte.
wie wol in got sît bewarte!
Dô der hêrre ze Rôme kom,
dô wart er wol enphangen
von alten unt von jungen,
als im des got wolte gunnen.
der bâbes Lêô,
ain misse sang er dô
dem hailigen gaiste ze êren,
ze volleist dem hêrren.
da enphiench er den gotes lîchnâmen.
alle die dâ wâren
die lobeten mîn trehtîn,
si sprâchen, daz er von rehte solte sîn
voget unt rihtære;
er wære in liep unt gezæme.
Karl netet der rede nehain war:
er was durch gebet komen dar,
des enirret in nehain unmuoze.
mit paren sînen vuozen
besuocht er die chirchen.
er flêgte got inneclîche,
er diget umbe di sêle.
des behielt er ouch alle werltlîch êre.
Alsô wonet er vier wochen,
daz ez in niemen mahte an gesprechen.
sîn pruoder, der bâbes Lêô,
viel im ze vuozen dô
unt elliu diu menige.
dô manet er got von himele,
ob er dar zuo niht frum newâre,
daz er dar niemer an kôme.
do enphiench er diu rêgâlîâ.
ûf sazten si im sâ
ain vil tiurlîche crône.
dô froweten sich ze Rôme
alle die dâ wâren.

 

Sprecherin: Cora Dietl
Text: Die Kaiserchronik eines Regensburger Geistlichen, hg.v. Edward Schröder, Hannover 1892 (Monumenta Germaniae historica, Scriptores 8, T. 1, Ps. 1, S. 339ff).