Michel Beheim: Streitgedicht

Michel Beheim, cgm 291, fol. 182r

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Dise hernach geschriben geticht
sten in Michel Pehams gekronten weis,
und das erst in disen naten sagt,
wie die gerechtikait und die parmherczikait,
der friden und die warhait mit ain ander kriegen.

 

Her winter, lass ab dein geblei
und deines kalten windes wei,
dein reiffen, eiss, gefrust und schnei.
van hinnen du dich heb und vei.
dein crafft mag dich nit mer behei,
der summer dich ver tringet.

 

Uns wunt der wunnicliche mei
mit seinen edlen fruchten pei.
secht, wie er seinen samen strei.
die haid und anger uber sprei
mit rosen, lilgen, veiol, clei.
secht, wie das gras ent springet.

 

 

Sprecher: Dr. Frieder Schanze
Text: Michel Beheim, Gedichte, ed. Gille/Spriewald 1968-1972, Bd.2, S. 451 f., V. 1-14.