Wolfram von Eschenbach: Parzival

Wolfram von Eschenbach: Parzival, cgm 19, fol. 7r

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433

'Tuot ûf.' wem? wer sît ir?
'ich wil inz herze dîn zuo dir.'
sô gert ir zengem rûme.
'waz denne, belîbe ich kûme?
mîn dringen soltu selten klagn:
ich wil dir nu von wunder sagn.'
jâ sît irz, frou âventiure?
wie vert der gehiure?
ich meine den werden Parzivâl,
den Cundrîe nâch dem grâl
mit unsüezen worten jagte,
dâ manec frouwe klagte
daz niht wendec wart sîn reise.
von Artûse dem Berteneise
huop er sich dô: wie vert er nuo?
den selben maeren grîfet zuo,
ober an freuden sî verzagt,
oder hât er hôhen prîs bejagt?
oder ob sîn ganziu werdekeit
sî beidiu lang unde breit,
oder ist si kurz oder smal?
nu prüevet uns die selben zal,
waz von sîn henden sî geschehen.
hât er Munsalvaesche sît gesehen,
unt den süezen Anfortas,
des herze dô vil siufzec was?
durch iwer güete gebt uns trôst,
op der von jâmer sî erlôst.
lât hoeren uns diu maere,
ob Parzivâl dâ waere,

 

434

Beidiu iur hêrre und ouch der mîn.
nu erliuhtet mir die fuore sîn:
der süezen Herzeloyden barn,
wie hât Gahmurets sun gevarn,
sît er von Artûse reit?
ober liep od herzeleit
sît habe bezalt an strîte.
habt er sich an die wîte,
oder hât er sider sich verlegn?
sagt mir sîn site und al sîn pflegn.
nu tuot uns de âventiure bekant,
er habe erstrichen manec lant,
zors, unt in schiffen ûf dem wâc;
ez waere lantman oder mâc,
der tjoste poinder gein im maz,
daz der decheiner nie gesaz.
sus kan sîn wâge seigen
sîn selbes prîs ûf steigen
und d'andern lêren sîgen.
in mangen herten wîgen
hât er sich schumpfentiure erwert,
den lîp gein strît alsô gezert,
swer prîs zim wolte borgen,
der müesez tuon mit sorgen.
sîn swert, daz im Anfortas
gap dô er bîme grâle was,
brast sît dô er bestanden wart:
dô machtez ganz des brunnen art
bî Karnat, der dâ heizet Lac.
daz swert gehalf im prîss bejac.

435

Swerz niht geloubt, der sündet.
diu âventiure uns kündet
daz Parzivâl der degen balt
kom geriten ûf einen walt,
ine weiz ze welhen stunden;
aldâ sîn ougen funden
ein klôsen niwes bûwes stên,
dâ durch ein snellen brunnen gên:
einhalp si drüber was geworht.
der junge degen unervorht
reit durch âventiur suochen:
sîn wolte got dô ruochen.
er vant ein klôsnaerinne,
diu durch die gotes minne
ir magetuom unt ir freude gap.
wîplîcher sorgen urhap
ûz ir herzen blüete alniuwe,
unt doch durch alte triuwe.
Schîânatulander
unt Sigûnen vander.
der helt lac dinne begraben tôt:
ir leben leit ûf dem sarke nôt.
Sigûne doschesse
hôrte selten messe:
ir leben was doch ein venje gar.
ir dicker munt heiz rôt gevar
was dô erblichen unde bleich,
sît werltlîch freude ir gar gesweich.
ez erleit nie magt sô hôhen pîn:
durch klage si muoz al eine sîn.

 

Sprecher: Prof. Dr. Christoph Huber
Text: Wolfram von Eschenbach, Parzival, ed. Lachmann 1998.