Wolfram von Eschenbach: Willehalm

Wolfram von Eschenbach: Willehalm, cgm 193, fol. 1r

Die Aufnahme ist in zwei Audio-Dateien aufgeteilt.

 

Ende Buch III (161,11ff.) : Sound-File

 

 'frouwe,' sprach der markîs,
'sît iwer triwe und iwer prîs
sô volleclîchen rât mir gît,
sô dunket mich des gein iu zît
daz ir ouch hoeret mînen rât.
ich weiz wol daz ir triwe hât.
sendet mir mînen vater dar:
der kan wol hers nemen war,
er strîtet ouch swa's nôt geschiht.
der helm ist iu benennet niht,
noch ander wâpen noch der schilt.
ob iuch des, vrouwe, niht bevilt,
gebt mir sus iwer stiure.'
do gelobt im diu gehiure
von silber und von golde
und von anderm rîchem solde
schoeniu ors und wâpen lieht:
'sun, ich wil dich triegen nieht:
des antwurte ich dir genuoc,
30 vil mêr denne ichs noch ie gewuoc.'

 

 

Anfang Buch IV (162,1ff.): Sound-File

 

Welt ir nu hoeren wiez gestê
umb den zorn den ir hôrtet ê,
wer den ze suone brâhte,
wie dem marcrâven nâhte
helfe unde hôher muot,
und wie ir lîp unde ir guot
und ir gunst mit herzen sinne
diu roemisch küneginne
mit triwe ergap an sîn gebot?
des was dem marcrâven nôt,
daz Gyburge wol gelanc,
wan in minne und jâmer twanc:
waz phandes hete er lâzen dort!
nu prüevet ouch den grôzen mort
der ûf Alischanz geschach,
dar zuo daz vorhtlîch ungemach
dâ Gyburc inne beleip,
diu in nâch helfe von ir treip.
Gyburc was sîn liebstez pfant:
nâch ir im sinne und vreude swant.
ungedulteclîch er muoste lebn.
ein esse im niemen übergebn
kunde an sô bewandem spil.
diu flust der mâge twanc in vil,
noch mêr diu nôt der Gyburc phlac.
mitten in sîm herzen lac
gruntveste der sorgen fundamint.

 

Sprecher: Christine Thumm
Text: Wolfram von Eschenbach, Werke, hrsg. von Karl Lachmann, Berlin 5. Aufl. 1891.