AG 5 "Satzperipherie: Eine Syntax-Diskurs-Schnittstelle"

bei der vierten Tagung "Deutsche Sprachwissenschaft in Italien", Rom, 4.-6. Februar 2010, 15-19 Uhr

 

AG-Leitung

 

Maria Averintseva-Klisch (Universität Tübingen)

Claudia Maienborn (Universität Tübingen)

Anna Volodina (Goethe-Universität Frankfurt / IDS Mannheim)

 

AG-Abstract

 

Seit Altmann (1981) sind die sog. Satzränder bzw. fakultative Erweiterungen links und rechts vom kanonischen Satz ein intensiv erforschter Gegenstand der germanistischen Linguistik. In der bisherigen Forschung wurden vor allem Phänomene am linken Satzrand (Linksversetzung, Hanging Topic/ Freies Thema, Topikalisierung) als eine wichtige Schnittstelle zwischen der syntaktischen Struktur und der Diskursstruktur behandelt (vgl. Lohnstein & Trissler (2004) und Shaer et al. (2008)). Hingegen wurde der rechte Satzrand bisher vorrangig aus der syntaktischen Perspektive beschrieben (sog. Extraposition). Erst seit Neuestem sind auch die Diskursphänomene der rechten Satzperipherie ins Blickfeld gerückt, vgl. Vinckel (2006), Averintseva-Klisch (2009). Im Unterschied zur vorherrschenden synchronen Perspektive wurden diachrone Daten nicht ausreichend berücksichtigt: Diachrone Untersuchungen zeigen, dass die Besetzung des Vor- und insbesondere des Nachfeldes in den früheren Sprachstufen des Deutschen distributionelle Unterschiede zum gegenwartsdeutschen Gebrauch aufweist, doch weiß man über den syntaktischen Wandel satzperipherer Strukturen viel zu wenig.Im Mittelpunkt unserer Arbeitsgruppe stehen die Fragen:

- Wie unterscheiden sich die Diskursfunktionen diverser satzwertiger und nicht satzwertiger Belegungen des linken und rechten Satzrandes?

- Welche Faktoren spielen eine Rolle in sprachgeschichtlichen Entwicklung von Beschränkungen bezüglich der einzelnen satzperipheren syntaktischen Konstruktionen und deren Diskursfunktionen?

Neben synchronen und diachronen Untersuchungen zum Deutschen sind auch sprachvergleichende Beiträge willkommen. Insbesondere bietet sich ein Vergleich zum Italienischen an: So verspricht ein systematischer Vergleich zwischen Herausstellungen im Deutschen und Italienischen (bspw. erlaubt das Italienische im Unterschied zum Deutschen mehrfache NP-Herausstellungen, s. Frascarelli & Hinterhölzl (2007)) Aufschluss über sprachspezifische vs. sprachübergreifende Funktionen der Satzperipherien.

 

Programm siehe unter www.dswi.org/doc2010/2010_prog_AGs.pdf