Veranstaltungen

Tagung "Perception, Expression, Interaction"

Im Rahmen der Tagung "Perception, Expression, Interaction" des "Maison de la Recherche" der Aix-Marseille-Université am 26. und 27. März 2015 halten Isabell Scheele und Anne Damville (beide Doktorandinnen des CDFA) Vorträge. Hier finden Sie das Programm zur Veranstaltung.

 

 

Workshop "Kultur, Konflikt, Komik: Deutsch-französische Grenzverhandlungen"

Am 26. und 27. Februar 2015 organisierte Prof. Dr. Barbara Thums (Uni Tübingen) gemeinsam mit Thomas Nolte (Doktorand des CDFA) den Workshop "Kultur - Komik - Konflikt: Deutsch-Französische Grenzverhandlungen" - Flyer.

 

 

Kooperationsveranstaltung mit der Heinrich-Böll-Stiftung

Am 27. und 28. November 2013 fand am Rande eines Doktorandenkolloquiums des CDFA eine Kooperationsveranstaltung mit der Heinrich-Böll-Stifung Baden-Württemberg mit dem Titel "Work Hard - Play Hard? - Alternativen zur Selbstoptimierungs- und Beschleunigungsgesellschaft" statt. Nach einer Vorführung des Films "Work Hard Play Hard" diskutierten die Regisseurin Carmen Losmann, Prof. Ulrich Bröcklung (Uni Freiburg) und Andrea Baier (anstiftung & ertomis). Hier finden Sie eine Dokumentation der Veranstaltung.

 

 

Kultur oder Konflikt - Konfliktkulturen. Der erste Weltkrieg nach einem Jahrhundert.

Kolloquium vom 14.- 16. März 2013 an der Universität Aix-Marseille, Aix-en-Provence 

 

Die Wahrnehmung des Ersten Weltkriegs hat eine weitgehende Europäisierung erlebt, die von der Verwestlichung Deutschlands begleitet ist. Die verschiedenen Neuschreibungen haben dazu beigetragen, die politischen und diskursiven Konflikte zwischen Franzosen und Deutschen zu entschärfen. Im Gegensatz zum Widerstreit nach 1918 (« Diktat » Dolchstoßlegende »), der aus dem einen Krieg einen anderen hat hervorgehen lassen, haben die Fischer-Kontroverse von 1961, die Vorstellungen des europäischen und totalen Kriegs (Nolte und Furet) sowie die Arbeiten über geteilte Gedächtnisorte wie Verdun und die Somme (Krumeich, Audoin-Rouzeau, Becker) die Deutungskonflikte besänftigt. Die Forschungen, die die Kriegsliteratur und die pazifistische Literatur beider Länder vergleichen, haben ebenfalls einen gemeinsamen Sockel der Kriegsparteien geschaffen, der memorielle Elemente integriert und sogar ein gemeinsames Erbe geworden ist. Dieser deutsch-französische Konsens wird heute von der Möglichkeit symbolisiert, deutsch-französische Studien und Schulbücher zu verfassen.

 

Die Windstille, die in der Forschungslandschaft herrscht, spiegelt die Friedensperiode nach 1945, die nach dem langen europäischen Bürgerkrieg (1914-1945) eingesetzt hat. Nun ist seit dem Fall der Berliner Mauer der Krieg nach Europa zurückgekehrt und neuartige Kriege sind aufgetreten. So wie das Wirtschaftswunder nur ein Intervall war, ist auch der Friede des Kalten Kriegs zu Ende gegangen. Heute kämpfen französische und deutsche Soldaten wieder – sicherlich gemeinsam. Konsensuelle Weltbilder – im heutigen Deutschland verbreiteter als in Frankreich – sind weniger plausibel geworden. Das agonistische Denken ist nicht einfach rehabilitiert, aber die Anerkennung des agonalen Tatbestands drängt sich von neuem auf. Sie schlägt sich auch in einem veränderten Blick auf den Ersten Weltkrieg nieder, der mit einem versöhnerischen Konsensdenken bricht.

 

Das deutsch-französische Doktorandenkolleg « Kulturkonflikte/Konfliktkulturen », das dieses Kolloquium organisiert, möchte das enge Band dechiffrieren, das Kultur und Konflikt verbindet. In dieser Sicht kann der Forscher den Ersten Weltkrieg nicht allein als Unfall, als Bruch mit der Zivilisation, als Rückkehr der Barbarei deuten. Ohne die Unterschiede zwischen mehr oder wenigen autoritären Systemen zu leugnen, kann der Krieg als inhärentes Element der europäischen Kultur begriffen werden. Dies wird besonders durch den Ersten Weltkrieg greifbar, der keine wirklich nachvollziehbare Gründe hat – im Unterschied zum Zweiten Weltkrieg, der letztlich unvermeidlich war, um den Nazismus zu besiegen. So wie Europa anscheinend befriedende Systeme und Konzepte – christliche Einheit, Augsburger Religionsfriede, westfälisches System, balance of power, freier Markt, Hegemonialmacht, Koexistenz der Ethnien, Nationen oder Blöcke, Völkerbund – entwickelt hat, so führt es nicht nur Kriege, sondern denkt sie auch. Der christliche Glaube spaltet und schließt aus, die Nationen beanspruchen Vorrechte über andere, Kulturen und Ethnien erfinden sich, indem sie einen Feind konstruieren …. Die europäische Kultur ist grundlegend von Konflikt-« Identitäten » und deren gewaltsamen und mörderischen Interaktionen geprägt. So ist der Erste Weltkrieg nicht einfach die Folge von Ereignissen wie das Attentat von Sarajevo, der Kriegserklärungen, der deutschen Verletzung der belgischen Neutralität etc., das heißt die Folge eines Scheitern der politischen Vermittlung; er spiegelt auch genau die agonistischen Tendenzen, die sich in der Politik, aber auch in den Kulturkriegen, den Humanwissenschaften einschließlich der Künste verkörpern. Den Ausbruch des Krieges mit dem Unterschied zwischen kriegerischen und pazifistischen Kulturen zu erklären ist weniger überzeugend, wird in Rechnung gestellt, dass ihm eine Epoche der Konvergenz vorausgeht, die durch Sozialdarwinismus, Volkskrieg, koloniale Expansion und innere Militarisierung gekennzeichnet ist. Diskurse, die den Krieg legitimieren, verbinden Politik mit Sprache, Literatur und Kunst.      

 

Seit einigen Jahren existiert eine reiche Literatur über den Konflikt im Bereich der Philosophie und des Politischen (Studien von Mouffe, Badiou, Žižek, in Deutschland und Österreich aufgegriffen durch Bröckling, Marchart). Das Doktorandenkolleg privilegiert historische, literaturwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Ansätze und stellt so die Frage, in welchem Ausmaß kulturelle Faktoren den Ersten Weltkrieg bedingen. Sofern das Kolloquium innovieren soll, sollen die Herangehensweisen weniger komparatistisch als  transkulturell sein. So haben die Historiker jüngst die Grausamkeit im Innern der kriegsführenden nationalen Kulturen beschrieben, wie es das Schicksal der hingerichteten Deserteure auf beiden Seiten und die Verbrüderungen zeigen – Phänomene, die den Gegensatz von Bellizismus und Pazifismus überschreiten und die Frage der Gewalt neu situieren. Die Analyse der Feierlichkeiten und geteilten Gedächtnisorte können auch eine gewisse Routine durchbrechen. Das Scheitern der Vermittlung stellt Mittlerfiguren und – funktionen (sozialistische, religiöse, humanistische Diskurse …) infrage. Mittler sind oft hervorragende Kriegsdiener. Anstatt pazifistische und bellizistische Literatur entgegenzustellen, können die Analysen sich auf die großen Romane der Zeit  (« A la recherche du temps perdu », « Der Mann ohne Eigenschaften », « Der Zauberberg ») vor dem Hintergrund des kommenden oder ablaufenden Kriegs richten. Die Forscher müssen auch das Dilemma deuten, dass die Gewalt der Avantgarden  – vom Futurismus bis zum Dadaismus – den Krieg orchestriert. Der agonale Tatbestand, den die Ethnologen und Soziologen der Zeit im exotischen Raum entdecken, findet seinen exzessivsten Ausdruck in Europa selbst. 

 

Das Kolloquium ist eine gemeinsame Veranstaltung der Historiker und Literaturwissenschaftler aus Tübingen und Aix. Es soll ein herausragendes Ereignis des neuen Doktorandenkollegs darstellen und die integrierten Masterstudiengänge TuebAix und Interkulturelle Deutsch-Französische Studien verlängern. Es wird zwei Podiumsdiskussionen integrieren. Die erste behandelt Konzeptionen des Konflikts; die zweite gibt den Absolventen der beiden Master das Wort.   

 

Die Beiträge des Kolloquiums werden im Heft 66 (2014) der Cahiers d’Etudes Germaniques zeitgleich mit dem hundertjährigen Jahrestag des Ausbruchs der Feindseligkeiten erscheinen.      

 

Veranstalter :

 

Graduiertenkolleg Langues Lettres et Arts : EA 4235 CIELAM (Centre Interdisciplinaire d’Etude des Littératures d’Aix-Marseille), EA 4236 ECHANGES (Equipe sur les Cultures et Humanités Anciennes et Nouvelles Germaniques et Slaves), 

 

Graduiertenkolleg Espaces, cultures, sociétés (pour les historiens et les historiens de l’art) : TELEMME (Temps, Espaces, Langages, Europe Médiévale – Méditerranée) ;

 

Graduiertenkolleg « Konflikt der Kulturen/Kulturen der Konflikte » (Tübingen).

 

 

Bibliographie :

 

Stéphane Audouin-Rouzeau/Annette Becker/Christian Ingrao/Henry Rousso (éds), La violence de la guerre 1914-1945, Ed. Complexe, 2002.

 

Nicolas Offenstadt , 14-18 aujourd’hui. La Grande Guerre dans la France contemporaine, Odile Jacob2010.

 

Id., Les fusillés de la grande guerre et la mémoire collective (1914-1999), Odile Jacob, 1999.

 

Jean-Yves Le Naour, Fusillés. Enquête sur les crimes de la justice militaire, Larousse, 2010.

 

Ulrich Bröckling/Michael Sikora (éds.), Armeen und Deserteure. Vernachlässigte Kapitel einer Militärgeschichte der Neuzeit, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, 1998.

 

Christoph Jahr, Gewöhnliche Soldaten. Desertion und Deserteure im deutschen und britischen Heer 1914-1918, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1998.

 

Johne Horne (éd.), Vers la guerre totale. Le tournant de 1914-15, Tallandier, 2000.

 

Gerd Krumeich (éd. avec Vittória Borsò et Bernd Witte), Medialität und Gedächtnis. Interdisziplinäre Beiträge zur kulturellen Verarbeitung europäischer Krisen, Stuttgart/Weimar 2001.

 

Id. (Hg.), Versailles 1919, Klartext Verlag, 2001.

 

Id. (éd., avec Jost Dülffer, Der verlorene Frieden. Politik und Kriegskultur nach 1918. Klartext Verlag, Essen 2002.

 

Id. / Susanne Brandt, Schlachtenmythen. Ereignis – Erzählung – Erinnerung (mit Susanne Brandt), Köln u.a. 2003 (= Europäische Geschichtsdarstellungen, 2).

 

Id. (éd. avec Gerhard Hirschfeld und Irina Renz), Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Schöningh, Paderborn, 2003.

 

Id. (éd., avec Gertrude Cepl-Kaufmann et Ulla Sommers), Krieg und Utopie. Kunst, Literatur und Politik im Rheinland nach dem Ersten Weltkrieg, Klartext Verlag, Essen 2006.

 

Id. (éd. avec Stéphane Audoin-Rouzeau et Jean Richardot), Cicatrices. Paysages de guerre, Tallandier, 2008.

 

Id. (avec Jean-Jacques Becker), La Grande guerre. Une histoire franco–allemande, Tallandier, 2008 (en allemand : Der Große Krieg. Deutschland und Frankreich 1914–1918, Klartext Verlag, Essen, 2010).

 

Benoît Majerus/Sonja Kmac/Michel Largue/Pit Péporté (éds.), Dépasser le cadre national des lieux de mémoire/Nationale Erinnerungsorte hinterfragt, Lang, Bruxelles, 2009.

 

Karl Prümm, Die Literatur des soldatischen Nationalismus der 20er Jahre. Gruppenideologie und Epochenproblematik, 2 Bde, Kronberg/Taunus, 1974.

 

Klaus Vondung (éd.), Kriegserlebnis. Der Erste Weltkrieg in der literarischen Gestaltung und symbolischen Deutung der Nationen, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, 1980.

 

Jean-Jacques Pollet/Anne-Marie Saint-Gille (éds.), Ecritures franco-allemandes de la Grande Guerre, Artois, Presses Université, Arras, 1996.

 

Michael Jeismann, Das Vaterland der Feinde, Klett-Cotta, Stuttgart, 1992.

 

Jörn Leonhard, Bellizismus und Nation, Kriegsdeutung und Nationsbestimmung, Europa und die Vereinigten Staaten 1750-1914, München, Oldenbourg, 2008.

 

Barbara Besslich, Wege in den Kulturkrieg. Zivilisationskritik in Deutschland 1890-1914, Darmstadt, 2000.

 

Christa Karpenstein-Essbach, Orte der Grausamkeit. Die neuen Kriege in der Literatur