DFG-Projekt "Kulturgeschichte des Diebstahls: Ein Gründungsmythos"

 

<span style="color:black">Der Diebstahl – ob als Kern mythischer Erzählung, als Metapher, als Begrifflichkeit der Übertretung, als Figur der Übernahme und des Übergangs oder als autobiografische oder literarische Erzählung, als philosophischer Gedankengang oder als soziales Handeln – taucht insbesondere in Texten auf, in denen innerhalb einer historischen Kippbewegung eine Emanzipationshandlung beschrieben wird: Das Hervortreten eines prekären, aber sich selbst behauptenden Individuums vor einem Hintergrund vorfindlicher und unüberwindlicher Mächte oder Machtdiskurse. Diese Kippbewegung wird als ein schelmischer oder kriminell herbeigeführter Diskurswandel oder als eine Geste der Kulturgründung wahrgenommen, durch die sich Gemeinschaften und Individuen neu orientieren, in der Welt verorten und behaupten müssen. Der Dieb ist eine Figur menschlicher Selbstbehauptung, die, obwohl sie in vielen einschlägigen und intensiv rezipierten Texten auftritt, bisher nicht explizit Gegenstand literaturwissenschaftlicher oder kulturwissenschaftlicher Forschung war.</span>

 

<span style="color:black">Das DFG-Projekt zur Kulturgeschichte des Diebstahls als Gründungsmythos untersucht im Rahmen eines Disziplinen übergreifenden philologischen, kulturwissenschaftlichen und philosophischen bzw. kulturphilosophischen Ansatzes ausgewählte Texte der Literatur, der Mythologie, der Philosophie und der Theologie auf die These hin, dass in Erzählungen des Stehlens oder in der metaphorischen Verwendung des Diebstahls eine Handlung beschrieben wird, mit der eine Kultur, ein Diskurs oder ein Individuum begründet wird. Die Gesetzesüberschreitung und das Schuldigwerden im Diebstahl stellen zusammen mit dem erlangten Diebesgut den Beginn einer freien Autonomie und gleichzeitig ihrer normativen Traditionsbildung dar:  </span>Mit ihm wird eine Tradition begründet, die nicht radikal mit dem Bestohlenen bricht, sondern ihn im Bewusstsein hält. So kann im Diebstahl eine Figur des Anfangs untersucht werden, die eine Ambiguität und Unsicherheit kultureller Identität bewahrt.

 

 

 

 

Aktuelle Veranstaltungen

"Klauen, Borgen, Besorgen" - Radiobeitrag im WDR vom 19.06.2016

 

http://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-gutenbergs-welt/klauen-borgen-besorgen-100.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vergangene Veranstaltungen

Zum Projekt fand am 8.-9. Mai 2015 die Tagung "Diebe! Kulturgeschichte des Diebstahls - ein Kulturgründungsmythos" an der Universität Tübingen statt.

(Flyer zum Download)

 

 

Am 9./10./11. 2012 fand der Workshop "Figuration der Gründung – Der Diebstahl als Kulturgründungsgeste" statt. (Mehr dazu)