Tübinger Poetik-Dozentur 2016

Siri Hustvedt und Vittorio Gallese

Siri Hustvedt

Siri Hustvedt. (c) Marion Ettlinger

 „Das Fiktive ist, wie sich zeigt, ein weites Feld mit unbestimmten Grenzen, und es ist höchst ungewiss, wo es anfängt und endet.“ (Der Sommer ohne Männer)

 

Siri Hustvedts Schreiben gleicht einem furiosen Spiel mit literarischen Stimmen, Formen und Perspektiven: Ob mit der hünenhaften Gestalt Harry Burdens (Die gleißende Welt), deren Biographie aus widersprüchlichen Zeitungsartikeln, Notizbüchern und Interviews rekonstruiert wird, oder mit der des erblindenden Kunsthistorikers Leo Hertzberg (Was ich liebte), immer wieder schicken ihre nicht nur markanten, sondern auch ambivalenten Figuren den Leser auf die Suche nach einer Wahrheit, die sich nicht finden oder zumindest nicht festhalten lässt. Voll von Anspielungen auf Philosophiegeschichte, Psychoanalyse und Hustvedts eigene Biographie lösen sich die sicheren Grenzen von Realität und Fiktion, von Kunst und Wissenschaft auf: Siri Hustvedts Essays sind romanhaft wie ihre Prosa lyrisch ist und ihr zuletzt erschienener Roman Die gleißende Welt (2014) ist versehen mit Fußnoten und wissenschaftlichen Überlegungen. So stellen alle ihre Texte die Frage nach Anfang, Ende und Möglichkeiten des Fiktionalen noch einmal neu.

 

Geboren 1955 wächst Siri Hustvedt in der amerikanischen Kleinstadt Northfield auf und ist heute eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen und Intellektuellen der USA. Nach ersten lyrischen Versuchen veröffentlicht sie 1993 mit Die unsichtbare Frau ihren Debutroman. Es folgen Die Verzauberung der Lily Dahl (1997) und der Erfolgsroman Was ich liebte (2003), die Hustvedt weltweit bekannt machen. Neben ihren Erzähltexten verfasst die Autorin Essays zu Ästhetik und Wissenschaft, schreibt mit am Migräneblog der New York Times und lehrt in der psychiatrischen Abteilung des Weill Medical College in Cornell. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in Brooklyn.

 

Bibliographie (Auswahl):

Die unsichtbare Frau. Roman. Reinbek 1993.

Die Verzauberung der Lily Dahl. Roman. Reinbek 1997.

Was ich liebte. Roman. Reinbek 2003.

Being a Man. Essays. Reinbek 2006.

Die zitternde Frau. Eine Geschichte meiner Nerven. Reinbek 2010.

Leben, Denken, Schauen. Essays. Reinbek 2014.

Die gleißende Welt. Roman. Reinbek 2015.

Vittorio Gallese

Vittorio Gallese

„Vittorio Gallese has a gift for dialogue. Vittorio is always curious. He is always open to ideas. He is a great reader, not just of neuroscience, but of philosophy and psychology and literature, and, last but not least, he has a sense of humor, crucial to the navigation of the conceptual maze we call ‚the life of the mind.‘“ (Siri Hustvedt)

 

Der Neurowissenschaftler lehrt Physiologie an der Universität in Parma, hält einen Lehrstuhl für experimentelle Ästhetik an der University of London und ist Adjunct Senior Research Scholar am Department für Kunstgeschichte und Archäologie an der Columbia University (NY). Im Zentrum seiner Forschung steht der Versuch, die neuronalen Mechanismen zu erklären, die Empathie, Sprache und ästhetischer Erfahrung zugrunde liegen. Gallese war maßgeblich an der Entdeckung von Spiegelneuronen beteiligt, für die er neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen 2007 den Grawemeyer Award für Psychologie erhielt. In weit über die Grenzen seines Fachs hinausreichenden Kooperationen hat sich der Neurowissenschaftler immer wieder mit der Frage auseinandergesetzt, wie Denken und Kunst, Realität und Fiktion zusammenhängen und wurde dabei zum Gründungsvater der ‚Neuroästhetik‘.Vittorio Gallese und Siri Hustvedt verbindet das Interesse an den Schnittstellen von Kunst und Wissenschaft.

 

Bibliographie (Auswahl):

 „Mirror Neurons and Art“. In: F. Bacci/H.Melcher (Hg): Art and the Senses. Oxford 2010.

„Mirror neurons, embodied simulation, and the neural basis of social identification“. In: Neuropsychoanalysis 13/2 (2011).

„The Mirror Neuron Mechanism and Literary Studies“. In: California Italian Studies 2/1 (2011).

„Neuroaesthetics. The Body in Esthetic Experience.“ In: V.S. Ramachandran (Hg.): The encyclopaedia of Human Behavior“. London u.a. 2012.

 

Tübinger Poetik-Dozentur 2016

Siri Hustvedt und Vittorio Gallese

 

November 2016

 

 

20 Jahre Poetik-Dozentur

Veranstaltungen

 

Vorlesungen Siri Hustvedt (englisch, mit teilweise deutscher Übersetzung)

 

Montag, 14. November, 20 Uhr, Kupferbau HS 25

Dienstag, 15. November, 20 Uhr, Kupferbau HS 25

Mittwoch, 16. November, 20 Uhr, Kupferbau HS 25

 

Vorlesung Vittorio Gallese (englisch, mit teilweise deutscher Übersetzung)

 

Donnerstag, 17. November, 20 Uhr, Audimax Neue Aula

 

Diskussion Hustvedt/Gallese (englisch, mit deutscher Übersetzung)

Freitag, 18. November, 17 Uhr, Audimax Neue Aula

 

anschließend Veranstaltung zum 20jährigen Jubiläum der Tübinger Poetik-Dozentur

 

Lesung Siri Hustvedt (englisch, mit deutscher Übersetzung)

Sonntag, 13. November, 11 Uhr

in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall

Pressemeldung zum Jubiläum

Hier als pdf zum Download.

Raoul Schrott & Detlef Weigel: Gespräch und Diskussion

Im Anschluss an die Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen der Tübinger Poetik-Dozentur findet am Samstag, den 19.11.2016, eine Diskussion zu Raoul Schrotts neuem Buch "Erste Erde" statt. Mehr Informationen erhalten Sie hier.

 

 

 

Aktuell

Neuerscheinung:


Der Band Vorlesungen der Tübinger Poetik-Dozentur 2015 mit Kathrin Passig und Clemens Setz ist im Swiridoff-Verlag erschienen:

 

Verweilen unter schwebender Last, hg. v. Dorothee Kimmich und Philipp Ostrowicz, unter Mitarbeit von Caroline Merkel und Tamara-Madeline Fröhler. Künzelsau: Swiridoff 2016.

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Kontakt

Bei Fragen zur Poetik-Dozentur oder zum Würth-Literaturpreis kontaktieren Sie uns gern!

Förderung


Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Förderprojekt der Stiftung Würth.